Soziokratie – über_setzte politische Praxis

Workshop: Input und Praxis

Christine Brandmeir-Schmitt, Sozialpädagogin, soziokratische Gesprächsleiterin, Soziokratieexpertin CSE (i.A.)
Anja Sagara Ritter, Philosophin, soziokratische Gesprächsleiterin, Soziokratieexpertin CSE (i.A.)
Beide sind wir Mitglieder im Soziokratiezentrum D-A-CH des deutschsprachigen Raums: www.soziokratiezentrum.org

Ankündigungstext (500 bis max 2.500 Zeichen)

Unser Wunsch die Welt mit zu gestalten, den eignen co-kreativen Beitrag zu leisten, wird immer wieder konfrontiert mit der Frage wie eine politische Praxis aussehen kann, die es uns ermöglicht aus der Ohnmacht und Fragwürdigkeit gängiger Ordnungen und Denksysteme in denen wir uns im täglichen Leben befinden, aus zu brechen. In der Auseinandersetzung mit der Soziokratie (ungefähr übersetzt: „wir regieren gemeinsam“) haben wir erfahren, dass echter Wandel sofort möglich ist, dass ein verändertes miteinander entscheiden, neue Ordnungen entstehen lässt. Eine klare Struktur, in denen Differenzen Geschenke sind und die Macht bei den guten Argumenten liegt. Ordnungen, in denen das Sowohl-als-auch wichtiger ist als das Entweder-oder und so Kooperation und das Streben für das Gute des gemeinsamen Ganzen an erster Stellte stehen. So können wir gut gemeinsam schöpferisch tätig sein, bei uns zu Hause und in der Welt.

Nach dem Bruch mit alten, starren hierarchischen Ordnungen, entwickelten die Bewegungen der 70er Jahre verschiedene Gruppe, für die Führungslosigkeit und Strukturlosigkeit zentrale Organisationsform waren. Dieser Bruch war notwendig, übersah aber eine Notwendigkeit: Nur eine klare Formalisierung und Struktur ermöglicht die gleichwertige Teilhabe aller – Frauen und Männer, Alte und Junge, Helle und Bunte, etc. – am alltäglichen politischen (Entscheidung-)Leben.
Welche Formalisierung aber ist gut, um ein Ankommen im guten Leben aller zu ermöglichen? Gerade die Brexit-Entscheidung und das ihr folgende Debakel zeigt uns, an welche Grenzen die herkömmliche politische Praxis stößt. Minderheiten sind nach einer Mehrheitsentscheidung keine stillen, zurückgezogenen, hinnehmende und selbstlosen Gruppen, sondern politisieren sich gerade nach dem Scheitern gegen die vermeintliche Mehrheit in der öffentlichen politischen Praxis. Gräber werden größer und es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass die einen gegen die anderen kämpfen, dass es Siegende und Verlierende geben muss.

Soziokratie – wie Demokratie auf der Welt sein könnte…

Konsententscheidungen sind möglich, schon jetzt. Soziokraten und Soziokratinnen halten sich dabei an den Satz „good enough for now and save enough to try“. Nicht die perfekte Lösung muss her. Wir brauchen Lösungen, die es uns erlauben, den nächsten Schritt zu gehen. Und wenn wir ihn gegangen sind, schauen wir nochmal zurück und überprüfen: „War es ein guter nächster Schritt und was brauchen wir jetzt um weiter zu gehen?“ Die Liebe zur Welt und ihren Möglichkeiten drückt sich aus und schafft Handlungsoptionen.

Immer wieder faszinierend erfahren wir in unserer gelebten Praxis in den soziokratischen Meinungsbildungsrunden die Fülle und die kreativen Lösungen, die von Meinung zu Meinung entsteht. Mit jeder Person kommen neue Aspekte hin zu und bereichern die Entscheidungsfindung. Im aufeinander bezogen sein, potenziert sich die Qualität der Entscheidung. Am Ende entsteht nicht nur ein für und wider sondern ein für mit verschiedenen Aspekten, die noch zusätzlich in die Entscheidung mit eingeflossen sind.

In einem dreistündigen Workshop möchten wir Euch mitnehmen in einen Raum, der politische Praxis über_setzt. Von der Mehrheitsentscheidung, die Minderheiten schafft hin zur Konsententscheidung. Wir wollen uns ausprobieren, gemeinsam im Konsent entscheiden und Möglichkeiten denken, die bisher noch im Verborgenen liegen.

Weiterführende Literatur :

„Soziokratie. Kreisstrukturen als Organisationprinzip“ von Barbara Strauch

„Many Voices, One Song: Shared Power with Sociocracy“ von Ted J Rau und Jerry Koch-Gonzales

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